Stellungnahmen
Der Arbeitskreis Digitale Kunstgeschichte unterstützt die Gründung der Open-Access Zeitschrift “21. Inquiries into Art, History, and the Visual” durch die ehemaligen Herausgeber*innen der Zeitschrift für Kunstgeschichte

Die Zeitschrift für Kunstgeschichte ist die wohl renommierteste kunsthistorische Zeitschrift im deutschsprachigen Raum und hat seit ihrer Gründung im Jahr 1932 die wissenschaftliche Diskussion entscheidend mitbestimmt. Zuletzt hat sie von sich reden gemacht, weil ihre Herausgeber*innen Beate Fricke, Ursula Frohne, Johannes Grave und Michael F. Zimmermann geschlossen zurückgetreten sind (https://arthist.net/archive/21570). Der Grund dafür: Der Verlag (Deutscher Kunstverlag/ de Gruyter) war nicht bereit, die Zeitschrift künftig im Gold-Open-Access erscheinen zu lassen, also in der von vielen Geldgebern inzwischen geforderten Form der freien Zugänglichkeit und Nachnutzbarkeit von Beginn an im Internet. So auch hier: Die von der Universität Bern in Aussicht gestellte Finanzierung einer Mitarbeiterstelle für die Redaktion, die zuletzt für einige Jahre von der Rudolf August-Oetker Stiftung (und nicht etwa vom Verlag) getragen wurde, sollte an eine Gold-Open-Access Veröffentlichungsform gebunden sein. Der Verlag hat dies aber abgelehnt. Was jetzt mit der Zeitschrift für Kunstgeschichte passiert, ist unklar. Die bisherigen Herausgeber aber, ergänzt um zwei renommierte Fachvertreter*innen aus den USA, haben 21. Inquiries into Art, History, and the Visual: Beiträge zur Kunstgeschichte und visuellen Kultur (https://21-inquiries.eu/) gegründet, eine Zeitschrift, die zukünftig im Open Access bei arthistoricum.net erscheinen wird.

Die Ereignisse, welche sich um die Zeitschrift für Kunstgeschichte ranken, sind nur ein Hinweis auf das, was im wissenschaftlichen Publikationswesen an Veränderungen grundsätzlich ansteht. Es wird unseres Erachtens zwei Möglichkeiten geben: Entweder wird das wissenschaftliche Publikationswesen in die Hände von wenigen Monopolisten fallen, die dann die Preise weitgehend nach Belieben diktieren. Selbst Open Access, das einmal ein Versprechen auf Offenheit und Demokratisierung enthielt, wird dann teuer. Die Naturwissenschaften, wo die Kosten für die Veröffentlichung eines Open-Access-Artikels mehrere tausend Euro betragen können und die Auseinandersetzung mit den Verlagen massiv geführt wird, geben darüber Auskunft. Die Alternative wäre, dass das wissenschaftliche Publikationswesen in den öffentlichen Bereich z.B. an die Universitäten und Bibliotheken zurückgeholt wird. Da die öffentliche Hand heute schon einen Großteil des Aufwandes von Zeitschriften und anderen Publikationen übernimmt, indem die wissenschaftliche Betreuung zumeist von Personen aus dem öffentlichen Bereich, wie Professor*innen, Mittelbauer*innen, Museumsangestellten etc. übernommen wird, wäre die Veränderung gar nicht so groß. Aber astronomische Preise wie die genannten wären damit ausgeschlossen.

Damit das Fach Kunstgeschichte nicht offenen Auges in eine problematische Veröffentlichungssituation hineinläuft, ist eine gemeinsame aufrichtige Haltung notwendig. Es ist zu hoffen, dass die neue Zeitschrift 21. Inquiries into Art, History, and the Visual im Fach schnell Akzeptanz findet und damit aus der Mitte des Faches heraus ein frei zugängliches Publikationsorgan etabliert. Ob diese Neugründung gelingen wird, hängt vor allem von uns selber, von den Autor*innen aus der Kunstgeschichte ab, die die Zeitschrift für die Publikation ihres Wissens nutzen sollten.

Der Arbeitskreis für digitale Kunstgeschichte begrüßt den mutigen Schritt der Herausgeber*innen, eine Open-Access-Zeitschrift zu gründen und wird in der Fachgemeinschaft mit Nachdruck für die aktive Nutzung und Anerkennung der Zeitschrift eintreten und sie unterstützen.

Für den Arbeitskreis die Sprecher*in

Prof. Dr. Peter Bell, Dr. Lisa Dieckmann, Dr. Georg Schelbert, Prof. Dr. Stephan Hoppe, Prof. Dr. Holger Simon